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Die Stiftungsarbeit heute

Heute setzt die Stiftung ihren Auftrag fort, Menschen in Bad Schwartau unbürokratisch und wirkungsvoll zu unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei der Gedanke der Hilfe für diejenigen, die auf Unterstützung angewiesen sind – unabhängig von Alter, Lebenssituation oder Herkunft.
Auf Grundlage ihres gemeinnützigen und mildtätigen Satzungszwecks fördert die Stiftung hilfsbedürftige Bürgerinnen und Bürger im Sinne der gesetzlichen Vorgaben. Dies geschieht insbesondere durch einmalige oder regelmäßige finanzielle Zuwendungen, die direkt den betroffenen Menschen zugutekommen. Ziel ist es, individuelle Notlagen zu lindern und die Lebenssituation der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.

Darüber hinaus stellt die Stiftung Mittel bereit, um weitere mildtätige Zwecke zu fördern und Unterstützung dort zu ermöglichen, wo sie dringend benötigt wird. Dabei arbeitet sie verantwortungsvoll, transparent und stets im Sinne des ursprünglichen Stifterwillens. Die Stiftung versteht sich heute als verlässlicher Partner für soziale Hilfe vor Ort – mit dem klaren Anliegen, Solidarität zu leben und Menschen in schwierigen Lebenslagen konkret zu unterstützen.

Der im Jahre 1850 in Bad Schwartau geborene Kaufmann Gustav Heinrich Matthias Jäde errichtete am 10. November 1908 zum Gedenken an seine Eltern Matthias und Charlotte Jäde in Bad Schwartau eine Stiftung. Sie wurde am 10. Februar 1909 vom Staatsministerium in Oldenburg genehmigt. Die Stiftung hat bis zum Jahre 1997 auf ihrem Grundstück in Bad Schwartau, Riesebusch 32 - 34, ein Altenheim betrieben. Aufgrund unerfüllbarer behördlicher Auflagen musste das Heim geschlossen werden. Die Umwandlung in ein Pflegeheim hätte bauliche Maßnahmen in einem Umfang erfordert, deren Kosten von der Stiftung nicht hätten aufgebracht werden können. Daher musste sich der Vorstand schweren Herzens zu einem Verkauf des Grundstücks entschließen. Nach Begleichung der Verbindlichkeiten und der Erfüllung eines Sozialplans für die bisherigen Mitarbeiter verblieb nur ein Stiftungskapital, das die Fortsetzung der bisherigen Tätigkeit, nämlich den Betrieb eines Altenheims, nicht mehr zuließ. Mithilfe der Erträge aus dem verbliebenen Stiftungskapital und erhofften künftigen Spenden soll die Stiftung mit einem Stiftungszweck fortgeführt werden, der dem Willen der Stifter nahekommt. Der Stiftungszweck ist: Unterstützung hilfsbedürftiger Bad Schwartauer Bürger, die Beschaffung von Mitteln zur Beförderung mildtätiger Zwecke.

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Geschichte der Stiftung

Gustav Heinrich Matthias Jäde

Im Namen der Eltern

Im November 1908 entschloss sich der Lübecker Textilkaufmann Gustav Jäde, in seinem Heimatort Bad Schwartau eine Stiftung zu errichten. Als Standort wählte er das Grundstück Riesebusch 32–34. Dort hatte das elterliche Haus gestanden, in dem Gustav Jäde am 20. April 1850 geboren wurde. Um seine Eltern zu ehren, nannte er die Stiftung »Matthias- und Charlotte Jäde-Stiftung«.

Nach dem Willen Jädes war es Zweck dieser Stiftung, »würdigen und bedürftigen Personen ledigen oder verheirateten Standes, welche nicht der öffentlichen Armenpflege anheimgefallen sind, angemessene Wohnung und Gartenland für ihre letzten Lebensjahre zu gewähren«.

Die Aufzunehmenden mussten sich eines guten Leumundes erfreuen und eines ehrbaren Standes befleißigt haben. Ferner mussten die in der Stiftung Aufzunehmenden mindestens 10 Jahre in Schwartau gewohnt haben, oder Abkömmlinge von in Schwartau mindestens 10 Jahre ansässig gewesener Familien sein.

Matthias und Charlotte Jäde

Das Stiftungsgebäude - „Matthias und Charlotte Jäde Stift“ 

Die Vermögensausstattung der Jäde-Stiftung bestand aus den Grundstücken Riesebusch 32 und 34, sowie einer sich daran anschließenden Wiesenfläche von 1 ha 0,9 a 70 qm. Darüberhinaus hatte Gustav Jäde noch Kapital zur Verfügung gestellt, dessen Höhe jedoch nicht mehr feststellbar ist, da entsprechende Unterlagen nicht mehr vorhanden sind.

Bekannt ist jedoch, daß der Stifter für den Bau des Stiftsgebäudes eine Summe von 300000 Mark aufgewendet hatte. Für die damalige Zeit war das eine gewaltige Summe.

Am 10. Mai 1909 war es dann soweit, Gustav Jäde lud die Mitglieder des Vorstandes, Verwandte und Freunde zur Grundsteinlegung ein. In einem Raum des Kellergeschosses unterzeichneten der Stifter und seine Gäste die Stiftungsurkunde. Versehen mit je einem Exemplar der Schwartauer und Lübecker Zeitung und einigen Münzen wurde die Urkunde in eine Bleikapsel gelegt, die dann unter dem Grundstein vermauert wurde.

Matthias- und Charlotte-Jäde Stift

In seiner Rede betonte Pastor Hoyer aus Rensefeld: »Was hier entsteht, ist ein Werk der Humanität, der Heimatliebe und der Pietät.​« Gustav Jäde rief als Erster aus: »Zur Ehre Gottes, zum Besten unserer Mitmenschen sei dieses Heim erbaut! Möge Gottes Segen auf demselben ruhen, ewiger Friede und ewige Freude darin wohnen! Das walte Gott!«

Das Gebäude wurde nach der Auflösung des Jäde Stifts von der Mathias und Charlotte Jäde Stiftung verkauft. Das Gebäude des „Matthias und Charlotte Jäde Stift“ (die Inschrift über dem Portal ist erhalten) wird heute als Büro- und Wohngebäude genutzt. Seit 1999 ist an diesem Ort die Kanzlei Ludewig Busch Gloe Rechtsasnwälte und Notare (https://ra-lbg.de/) ansässig. 

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Die ersten Bewohner

Die ersten Bewohner des Hauses suchte Gustav Jäde selbst aus einer großen Anzahl von Bewerbern aus. Ihnen fühlte er sich so verbunden, dass er zu regelmäßigen Besuchen ins Haus kam. Und obwohl der Stifter durch sein Lübecker Geschäft und die zahlreichen Ehrenämter, die er in Lübeck bekleidete, zeitlich sehr in Anspruch genommen war, nahm er dennoch bis zu seinem frühen Tode am 24. Juli 1913 an den Sitzungen des Vorstandes teil.

Die erste Hausgemeinschaft

Vom Wohnheim zum Behelfskrankenhaus

Der 1. Weltkrieg hatte für die Jäde-Stiftung keine direkten Folgen. Aus dieser Zeit sind uns auch keine besonderen Ereignisse bekannt. Aber die Nachkriegszeit traf die Bewohner des Jäde Stiftshart. Denn die Grundstücke in der Wilhelmstraße, die Gustav Jäde der Stiftung zu Lebzeiten geschenkt hatte, mussten verkauft werden; doch der gesamte Erlös ging der Stiftung durch die Inflation verloren. Als dann 1929 größere Reparaturen am Gebäude notwendig wurden, reichte das vorhandene Geld zur Deckung der Kosten nicht aus. Bürgermeister Dr. Neese, der seit Juni 1928 Vorstandsvorsitzender war, sah sich daher gezwungen, von den Stiftsbewohnern eine Umlage zu erheben.

Das bisher schwerste Kapitel in der Geschichte der Jäde-Stiftung brach 1945 an. Auf Befehl der Britischen Besatzungsmacht wurde das Gebäude der Stiftung am 31. Juli 1945 vom Landrat in Eutin beschlagnahmt. Gemäß § 5 des Reichsleistungsgesetzes vom 1.9.1939 sollte es der Einrichtung eines Notkrankenhauses dienen. Der Bürgermeister von Bad Schwartau bekam den Auftrag, die Räume zu bestimmen, die für ein solches Krankenhaus benötigt wurden und das Krankenhaus einzurichten. Bis zu seiner Auflösung im Jahr 1959 diente das Jäde Stift als Behalfskrankenhaus.

Neuanfang als Altersheim

Nach Auflösung des Krankenhauses wurde das Stiftgebäude von der Stadt an die Stiftung zurückgegeben und der Stiftungsvorstand war sich einig, dass das Gebäude wieder seinem ursprünglichen Zweck dienen sollte und dem Willen des Stifters unter allen Umständen auch in Zukunft Rechnung getragen werden sollte. So wurde das Gebäude erneut zu einem Altenheim umgebaut und 1960 wieder eröffnet. Da die aus dem Jahre 1908 stammende Satzung der Stiftung den Erfordernissen der Zeit zunehmend nicht mehr entsprach, beschloß der Vorstand am 25. Februar 1974 eine neue Satzung, die von der Aufsichtsbehörde, dem Landrat in Eutin, am 29. März 1974 genehmigt wurde. Der Vorstand richtete auch die neue Satzung an dem Grundgedanken des Stifters aus. Alten, bedürftigen Schwartauer Bürgern sollte eine Heimstätte gegeben werden, in der sie ihren Lebensabend verbringen konnten. Zugleich wurde berücksichtigt, dass die Stiftung, da sie nicht mehr Wohnheim, sondern Altenheim war, einen erheblichen Wirtschaftsbetrieb unterhielt. Außerdem wurde die Zusammensetzung des Vorstandes neu geregelt. Die alte Satzung sah vor, daß der Bürgermeister, der leitende Richter am Amtsgericht Bad Schwartau und der zuständige Pastor kraft Amtes Mitglieder des Vorstandes waren, wobei der Bürgermeister gleichzeitig Vorsitzender und der leitende Richter stellvertretender Vorsitzender war. Die neue Satzung kennt keine Vorstandsmitglieder kraft Amtes mehr. Der Vorstand ergänzt sich, falls erforderlich, durch Zuwahl. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter werden vom Vorstand für die Dauer von 4 Jahren gewählt, eine vorzeitige Abwahl ist ebenfalls möglich.

Gustav Jäde

Die Geschichte der Matthias- und Charlotte-Jäde-Stiftung ist untrennbar mit ihrem Gründer Gustav Heinrich Matthias Jäde verbunden. Sein Leben und Wirken stehen beispielhaft für den Gedanken der Mitmenschlichkeit, der die Stiftung bis heute prägt.

Gustav Jäde wurde am 20. April 1850 in Schwartau geboren und entstammte einer einfachen Handwerkerfamilie. Früh war er eng mit seinem Elternhaus verbunden und unterstützte seinen Vater, einen Schmied. Mit unternehmerischem Geschick gründete er 1882 in Lübeck ein Manufakturwarengeschäft, das insbesondere von Landkundschaft geschätzt wurde und den Grundstein für seinen späteren wirtschaftlichen Erfolg legte. Trotz seines Wohlstands blieb Jäde stets bescheiden und zurückhaltend. Er mied die Öffentlichkeit, brachte sich jedoch engagiert in das Gemeinwesen ein. Über viele Jahre war er Mitglied der Lübecker Bürgerschaft und wirkte in verschiedenen Gremien, insbesondere in finanziellen und verwaltungsrechtlichen Bereichen, wo seine Sachkenntnis hoch geschätzt wurde. Seiner Heimat Bad Schwartau blieb er zeitlebens eng verbunden. Dies zeigte sich besonders in der Gründung der Stiftung auf dem Grundstück seines Elternhauses – ein Ausdruck seiner Dankbarkeit und seines sozialen Verantwortungsbewusstseins. Viele Menschen unterstützte er darüber hinaus im Stillen und ohne Aufsehen. Nach seinem plötzlichen Tod am 24. Juli 1913 hinterließ Gustav Jäde ein beträchtliches Vermögen, das er überwiegend gemeinnützigen Zwecken widmete. Die Stadt Bad Schwartau hatte ihn bereits zu Lebzeiten als ersten Ehrenbürger ausgezeichnet und würdigte damit sein außergewöhnliches Engagement.

Seine Haltung wird bis heute durch ein Leitwort geprägt, das auch der Stiftung Orientierung gibt: „Einer trage des anderen Last.“

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